Scripta Varia

Schwerin. Flüchtlinge in Ostdeutschland

Andreas Ruhl, Bürgermeister in Schwerin,
der Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns

Schwerin – gelegen im Erzbistum Hamburg – hat im Landesvergleich sehr viele Flüchtlinge aufgenommen. Auch die größte Erstaufnahmeeinrichtung des Landes liegt hier. Das bedingt besonders hohe Lasten und Verantwortung bei der Versorgung, der Betreuung, wie auch bei Investitionen. Die größte Herausforderung besteht darin, dass sobald Flüchtlinge als solche anerkannt sind, sie aus vielen Unterstützungsprogrammen fallen. Die Betreuung dieser „Neubürger“ ist dann alleinige Sache der Kommunen. Hier benötigen wir finanzielle Unterstützung.

Gleichzeitig mehren sich fremdenfeindliche Entwicklungen. So wie sich auch Fälle häufen, in denen Gewalt von Flüchtlingen ausgeht.
Besonders lassen sich diese Phänomene in Ostdeutschland beobachten. In Mecklenburg-Vorpommern ist die fremdenfeindliche Partei Alternative für Deutschland bei den Landtagswahlen vor vier Wochen zweitstärkste Kraft geworden.

Gründe dafür sind: Im Vergleich gelten viele Regionen Ostdeutschlands nach wie vor als strukturschwach. Viele Städte und Gemeinden haben in den vergangenen 25 Jahren sehr unter Einwohnerschwund gelitten. Wenn dieser Trend anhält, bleibt in vielen Regionen letztendlich eine Bevölkerungsgruppe zurück, die aufgrund ihrer Prädisposition besonders anfällig für Fremdenfeindlichkeit ist.
Auch fehlt in vielen Teilen der ehemaligen DDR die Erfahrung im Umgang mit einer großen Anzahl von Immigranten. Und wichtige Partner bei dem gesellschaftlichen Wandel, wie die christlichen Kirchen, sind in Ostdeutschland eher schwach organisiert.

Um damit Umgang zu finden, ist es erforderlich, die Wünsche, Ängste und Hoffnung der Eingesessenen als auch der Neubürger besser zu verstehen. Gerade in Schwerin haben wir – auch mit den Kirchen – dazu vielfältige Projekte auf den Weg gebracht.
Seit Beginn der Flüchtlingswelle im September 2015 sind die Kirchen auch in Schwerin einer der wichtigsten Partner in der Frage der Integration.
Was in den vergangenen Monaten geleistet wurde, ist etwas, wofür wir alle miteinander dankbar sein dürfen. Ich würde mich freuen, auch weiterhin auf das Engagement und die unbedingte Unterstützung auch der katholischen Kirche zählen zu können.

Ich würde es begrüßen, wenn diese Zusammenkunft kommunaler Entscheidungsträger nicht nur zum Gedankenaustausch beiträgt, sondern von ihr auch ein starkes Signal sendet. Ein Signal, das auf Ausgleich setzt, auf Solidarität und eine nachhaltige Integration.
Ich würde mich freuen, wenn wir ein Communiqué verabschieden würden, das diese Punkte aufgreift. Ein Communiqué, das Solidarität verdeutlicht. Grundlage der Solidarität sind die gemeinsamen Werte, die Europa ausmachen und letztendlich auf christliche Wurzeln zurückgehen. Wuzeln, nach denen die Unantastbarkeit der Würde aller Menschen Gradmesser und Leitbild all unserer Bemühungen ist.



 

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